Antwortschreiben von Frau Schwelling – Landesvorsitzende der Grünen (15.09.2022)

Nach einen Tag haben wir bereits eine Rückantwort erhalten, vielen Dank dafür.
Wir laden Frau Schwelling zu einem Videomeeting ein.
Hier das Antwortschreiben:
Sehr geehrte Frau Braekow,
vielen Dank für das Engagement Ihres Verbandes und Ihre Nachricht, die ich gerne versuche, zu beantworten. Die von Ihnen formulierten Ziele teile ich uneingeschränkt und würde mir von ganzem herzen wünschen, dass wir sie schnellstmöglich erreichen.
Sie sind wütend und ich kann Ihnen nichts anderes sagen als: völlig zu Recht!
Seit Jahren schon wird der Fachkräftemangel in den Careberufen beklagt, ebenso wie die Belastungen, denen die Menschen ausgesetzt sind, die beispielsweise in der Pflege oder der Kinderbetreuung arbeiten. In der Pandemie hat sich die Situation noch zusätzlich verschärft und die bislang darauf gefunden Antworten sind zweifellos nicht ausreichend, das spüren Sie und die Menschen, die Ihr Verband vertritt, jeden Tag.
Nun erleben wir zusätzlich zu Pandemie und Klimakrise mit ihren Auswirkungen auch noch die drastischen Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Noch nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg sind so viele Menschen zu uns geflohen vor Bomben, Tod und Zerstörung. Und diejenigen, die zu uns kommen sind meist Frauen, alte Menschen und zu mehr als einem Drittel auch Kinder und Jugendliche. Wir wollen sie selbstverständlich bestmöglich bei uns aufnehmen und wissen, dass ein Platz in Kita oder Schulen für eine gelungene Integration unverzichtbar ist.
Diese Situation trifft uns gleichzeitig mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf Betreuung in den Grundschulen, der nun schrittweise kommt und der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertageseinrichtung oder der Kindertagespflege für Kinder ab dem ersten Lebensjahr besteht ebenfalls.
Dies stellt die Kommunen und anderen Träger vor enorme Herausforderungen, denn in Baden-Württemberg fehlen uns die notwendigen Fachkräfte, um all diese Ansprüche zu erfüllen und allen Kindern einen Betreuungsplatz anzubieten.
Es braucht daher ein Bündel an Maßnahmen, um den Familien, den Erzieher*innen und auch den Kommunen gerecht zu werden und ja, dazu zählt kurzfristig auch die zeitlich befristete Abweichung vom Mindestpersonalschlüssel und der Höchstgruppenstärke, die die Landesregierung jetzt wieder einführen wird.
Wir müssen kurzfristig pragamatische Lösungen finden als Politik, das ist unser Job und ich weiß sehrwohl, dass das Ihren Job schwerer macht und dafür kann ich mir nur bei Ihnen entschuldigen.
Wir geben den Kommunen und Träger der Kindertageseinrichtungen mit der neuen Regelung ein Instrument an die Hand, um flexibel auf die vor Ort sehr unterschiedlichen Bedarfe und Möglichkeiten einzugehen und Eltern im Einzelfall einen dringend benötigen Betreuungsplatz anzubieten. Als Kommunalpolitikerin kann ich Ihnen versprechen, dass wir dabei einrichtungsindividuell die personellen und räumlichen Ressourcen berücksichtigen, denn wir wollen selbstverständlich das Beste für die Kinder ebenso wie für die Erzieherinnen und Erzieher.
Weitere Maßnahmen, die wir in dieser schwierigen Situation ebenfalls in Erwägung ziehen sollten betreffen die Nutzung zusätzlicher Räumlichkeiten und vor allem der Gewinnung von mehr Personal, bspw. über Direkteinstiegsprogramme oder die Entlastung der pädagogischen Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben, wie beispielsweise administrativen oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten.
Wir werden alle Register ziehen müssen, um die Krisen zu bewältigen, die wir derzeit erleben und das bedeutet eben auch, dass wir alle Abstriche werden machen müssen von dem, was eigentlich richtig wäre. Anders lässt sich aus meiner Sicht kurzfristig keine Lösung finden für eine Situation in der zu viele anspruchsberechtigte Kinder auf zu wenig Betreuungsplätze treffen.
Ihre berechtigte Wut und Enttäuschung kann ich damit sicher nicht lindern und es tut mir wirklich leid, dass der Beruf, den Sie aus Leidenschaft und Begeisterung ergriffen haben, Ihnen im Moment so schwer gemacht wird. Ich kann mich dafür nur im Namen der Politik, die hier viel versäumt hat, bei Ihnen entschuldigen.
Ihr Angebot, mir selbst ein Bild der Situation zu machen und mit Ihnen zu sprechen, nehme ich gerne an und freue mich, wenn Sie sich bei mir melden, damit wir die Details klären können.
Ich wünsche Ihnen und Ihrem Verband trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten von ganzem Herzen das Beste und werde tun, was in meiner Macht steht, um mittel- und langfristig eine andere Lösung zu finden.
Mit den besten Grüßen
Lena Schwelling

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