Wir treffen uns – Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff (03.11.2022)

Online-Treffen der Verbände mit Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff

 „Das Kita-System steht vor dem Kollaps“ heißt der Titel eines Brandbriefes, den mehr als 150 Wissenschaftler*innen unterzeichnet haben. Anfang November nahm sich der Initiator des Schreibens Zeit für ein Kennenlernen und den Austausch mit den Kita-Fachkräfteverbänden.

 

Wir haben Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff folgende Fragen gestellt:

  • Wie kam das Schreiben/die Allianz zustande? Was hat Sie zu dieser Initiative bewogen?
  • Welche Reaktionen gab es bisher auf das Schreiben von politischer Seite?
  • Wie nehmen Sie die Entwicklung der frühkindlichen Bildung bzw. der Kita-Qualität und der Rahmenbedingungen in den letzten Jahren wahr?
  • Es gibt wenige Gebiete, auf denen sich Wissenschaft und Fachpraxis so einig sind, wie bei der Frage nach kindgerechten Kita- Rahmenbedingungen. Es gibt hier niemanden, der den deutschen Kitas eine kindgerechte Qualität attestiert. Wie können sich Praxis und Wissenschaft gemeinsam für kindgerechte Bedingungen starkmachen?

Hier die Zusammenfassung des Austausches:

Herr Fröhlich- Gildhoff steht seit Jahren in engem Austausch mit der Praxis bei Fortbildungen, in der Forschung und durch die Evaluation des neuen Kita-Gesetzes, in die er involviert ist. Seit 20 Jahren weist die Wissenschaft darauf hin, dass im Sinne der Kinder Verbesserungen notwendig sind. Genauso lange heißt es bei den Verantwortlichen, dass für Verbesserungen der pädagogischen Qualität kein Geld da sei. Die Hochschulwelt ist bundesweit gut vernetzt, und so wurde gemeinsam mit 10 Kollegen das Schreiben initiiert. Die Initiative fand ein großes Echo. Fast alle namhaften Professoren und auch wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung haben unterzeichnet. Ein paar konnten leider aus politischen Verpflichtungen heraus nicht unterschreiben. Den Unterzeichnern war wichtig, dass sich die Wissenschaft positioniert. Es gab viel Resonanz und Zustimmung aus der Praxis, von der einzelnen Erzieherin bis hin zu den Verbänden. Auch das Bundeskabinett und Ministerien auf Bundes- und Landesebene haben geantwortet. Der Brief fand großes mediales Interesse und wurde sogar in der Heute Show thematisiert (Siehe https://www.youtube.com/watch?v=vmlztxdOTDw ).

In den letzten 20 Jahren hat sich viel getan im Kita-System. Es wurde quantitativ immer weiter ausgebaut. Qualitativ gesehen, hat man den Wert der frühkindlichen Bildung erkannt und in diesem Bereich Anforderungen festgeschrieben. Die personellen und räumlichen Ressourcen, um die qualitativen Ansprüche umzusetzen, sind leider nicht angepasst worden. Große Sorgen macht Herrn Fröhlich-Gildhoff auch der Fachkräftemangel. Die Zahlen dazu sind schon seit mindestens 10 Jahren bekannt. Nun versucht man mehr Hilfskräfte einzusetzen, was zu einer Dequalifizierung führt. Die Studien zu multiprofessionellen Teams, in die nicht pädagogisch ausgebildete Kräfte eingebunden werden, sind wenig positiv. Dass nun in einigen Bundesländern Gruppengrößen weiter erhöht werden, grenzt an eine Kindeswohlgefährdung. Das ist fachlich nicht zu begründen.

Die im Schreiben genannten Erkenntnisse sind nicht neu. Es gibt keine Untersuchungen, die schlechte Fachkraft-Kind Relationen oder große Gruppen für unbedenklich halten. Wäre die Wissenschaft hier nicht einig, hätten nicht so viele namhafte Experten das Schreiben unterzeichnet.

Prof. Fröhlich-Gildhoff ist froh, dass sich Kita-Fachkräfteverbände gegründet haben. Viel zu lange haben Fachkräfte irgendwie durchgehalten und nicht über die Probleme gesprochen. Es gab und gibt in Kitas eine Art Präsentismus. In Konzepten und Projekten wird nach außen hin eine gute pädagogische Arbeit und ein hoher Bildungsanspruch präsentiert. Darüber, wie es im Kita-Alltag aussieht und welche Probleme bewältigt werden müssen, wird von den Fachkräften immer noch zu wenig gesprochen.

Es ist wichtig, dass die Fachkräfte mit Trägern und Eltern ins Gespräch gehen. Sie sollten ihre Kompetenzen und ihre Professionalität herausstellen. Was macht im Kern pädagogische Arbeit aus? Das ist eine Frage, mit der sich alle beschäftigen müssen. Die Kitas können nicht mit weiteren qualitativen Verschlechterungen zurechtkommen. Das System ist bereits überstrapaziert. Dies muss deutlich und hartnäckig mit der Politik diskutiert werden. Herr Fröhlich-Gildhoff steht hinter der Aussage, dass Zeiten gekürzt oder Gruppen geschlossen werden müssen, wenn nicht genug Personal da ist.

Das Gespräch mit Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff hat uns Mut gemacht. Unsere Verbände geben den Fachkräften eine öffentliche Stimme, die zunehmend Gehör findet. Es ist wichtig, dass Praxis und Wissenschaft kindgerechte Rahmenbedingungen einfordern und fachlich darlegen, welche Ressourcen für das Kita-System notwendig sind, damit Kitas den Kindern und ihrem Bildungsauftrag gerecht werden. Den Brandbrief findet Ihr unter folgendem Link: https://www.nifbe.de/images/nifbe/Aktuelles_Global/2022/Das_Kita_System_steht_vor_dem_Kollaps-Appell_der_Wissenschaft-31.8.2022.pdf

Wir freuen uns, dass Herr Fröhlich-Gildhoff weiter mit uns in Kontakt bleiben will und für Fragen und Austausch zur Verfügung steht.

Offener Brief an Frau Schwelling – Landesvorsitzende der Grünen Fraktion (14.09.2022)

Am 12.09.2022 wurde folgende Pressemeldung veröffentlicht:

https://www.landtag-bw.de/home/aktuelles/dpa-nachrichten/2022/September/KW37/Montag/621837c3-fcde-4d9f-8b61-3d3e8057.html

Im Verlauf äußerte sich Frau Schwelling:

Selbstverständlich können wir diese Aussage nicht so stehen lassen und so haben wir uns mit einem Brief an sie gewandt:

Sehr geehrte Frau Schwelling,

Wir verstehen, dass Sie in der aktuellen angespannten Situation reagieren müssen.

In diesem Zusammenhang möchten wir uns zunächst bei Ihnen vorstellen:

Seit unserer Gründung im Januar 2021 sind wir ein stetig wachsender und aktiver Verband.

Gemeinsam mit Eltern, Trägern und Interessierten machen wir uns auf den Weg um die Bedingungen in den Kitas in Baden-Württemberg bedeutend zu verbessern. Wir wollen, dass Kitas zu einem Ort werden, an dem Kinder, Eltern und Pädagogen gemeinsam wachsen, leben und sich weiterentwickeln können – denn „wir stehen für Veränderung!“.

Wir verfolgen kontinuierlich unsere Ziele:

1. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen

2. Die Anpassung an einen zeitgemäßen Personalschlüssel

3. Eine einheitliche und praxisnahe Ausbildung

4. Die verpflichtende Zusammenarbeit zwischen Träger, Leitung, Team und
Eltern.

Seit Beginn der Pandemie arbeiten wir in den Kitas mit einem abgesenkten Personalschlüssel, was uns vor große Herausforderungen und Hürden gestellt hat. Ein Lichtblick war, dass diese coronabedingte Ausnahme seit Ende August dieses Jahres abgesetzt wurde. Als Ersatz für diese Vorgehensweise wurde im Juli 2022 vom Kultusministerium ein Maßnahmenkatalog an jede Kita versendet. Dieser beinhaltet die Möglichkeit anstelle einer zweiten pädagogischen Fachkraft auch zwei Nicht-Fachkräfte einzustellen.

In unserer Pressemitteilung vom 28.07.2022 haben wir bereits auf das Maßnahmenpaket reagiert, Sie können unsere Stellungnahme gerne nachlesen unter:

Stellungnahme zum Maßnahmenpaket zum neuen Kitajahr (30.07.2022)

Laut der aktuellen Bertelsmannstudie 2022 gibt es in keinem unserer Bundesländer einen kindgerechten Personalschlüssel. Ganz im Gegenteil, in Baden- Württemberg sind 48,4% der Kitakinder nicht kindgerecht betreut. Im gesetzlichen Auftrag der Kitas SGB VIII Abschnitt 3§ 22-26 rangiert Bildung, Förderung und Betreuung gleichrangig. Ihre Aussage: “Gut dann kommen eben ein paar mehr Kinder in die Gruppe” steht im kompletten Gegenteil zu unserem Schutzauftrag. Es darf niemals das Kindeswohl wegen Aufsichtspflichtverletzung durch zu große Gruppen aufs Spiel gesetzt werden. Und jedes Kind mehr kann ein Kind zu viel sein um diese zu gewährleisten.

Als Berufsverband sind wir permanent dabei, auf die Probleme und Themen die Kita betreffend aufmerksam zu machen und mit Beteiligten aus der Politik an positiven Veränderungen zu arbeiten. Hiermit laden wir Sie ein, sich ein vollumfängliches Bild über den Alltag einer Kita zu machen. Wir stehen Ihnen für ein Gespräch, sei es online oder persönlich sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

 

Wir schreiben an die Familienministerin Paus (25.08.2022)

Bund möchte „Gute-Kita-Gesetz“ anpassen und fortführen
Kita-Fachkräfte Verbände fordern mehr Personal
Mit einem offenen Brief wenden sich die Kita-Fachkräfteverbände Deutschlands mit ihrem Anliegen an Bundesfamilienministerin Paus. Alle Verbände fordern, dass es endlich um Qualität statt um Quantität gehen muss. Sie erwarten, dass der Fachkraft-Kind-Schlüssel endlich den wissenschaftlichen Mindestanforderungen entspricht. Kein Bundesland hat trotz der Gelder aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ die vom Bund festgelegten Schwellenwerte für den Fachkraft-Kind-Schlüssel flächendeckend umgesetzt.
„Als Fachkräfteverbände setzen wir uns schon lange dafür ein, dass sich die Arbeits- und Rahmenbedingungen signifikant verbessern“ unterstreicht Anja Braekow, 1. Vorsitzende aus Baden-Württemberg das Anliegen.
„Es finden sich nicht genug junge Leute, die in der Kita arbeiten wollen und altgediente Kräfte verlassen resigniert das Arbeitsfeld“ unterstreicht Claudia Theobald, 1. Vorsitzende aus Rheinland-Pfalz die Missstände. Für kindgerechte Bedingungen benötigt es deutlich mehr Personal als aktuell gegeben.
Die Kita-Fachkräfte aus ganz Deutschland sind erleichtert, dass weiterhin in Kitas investiert werden soll.
„Jetzt kommt es darauf an, die Prioritäten richtig zu setzen. Dies bedeutet kindgerechte Betreuungsschlüssel deutschlandweit zu etablieren“ äußert sich Melanie Krause, 1. Vorsitzende des Kita-Fachkräfte Verbands Niedersachsen-Bremen dazu. „Genügend Personal ist nicht alles, aber ohne ausreichend Personal ist alles nichts!“ stellt Claudia Theobald abschließend fest.
Mehr Informationen zu unseren Forderungen findest Du in unserem Bundespositionspapier unter: https://verband-kitafachkraefte-bw.de/2021/11/19/bundespositionspapier-endfassung-19-11-2021/
Weitere Informationen zu unserer ehrenamtlichen Arbeit, der Vorstandschaft und aktuellen Themen findest Du unter: https://verband-kitafachkraefte-bw.de/
Hier findest Du den kompletten Brief:

Tag der Arbeit (01.05.2022)

Gedanken zum Tag der Arbeit.
6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt und es ist Zeit zum Aufstehen. Ab unter die Dusche, noch eine Tasse Kaffee trinken und dann auf zur Arbeit.
Arbeit, das ist in meinem Fall die Kita. Wie gerne würde ich diesen Tag mit einem Lächeln beginnen. Doch wenn meine Gedanken vom Frühstückstisch in die Kita schweifen dann sind sie voller Sorge und geprägt durch das Wissen, den Kindern nicht gerecht werden zu können.
Die momentanen Arbeitsbedingungen lassen leider zu wünschen übrig. Die Gruppen sind bis auf den letzten Platz belegt was bedeutet, dass in einer Gruppe 25 Kindern herumschwirren. Betreut werden sie idealerweise von 2 pädagogischen Fachkräften. Oft nur von einer Fachkraft und einer „geeigneten“ Person. Die Räumlichkeiten lassen zu wünschen übrig, da sie zu klein und nicht praktikabel sind. Der Alltag ist geprägt durch Lärm und Stress. Zeit für Bildung und Erziehung, was die Kinder brauchen, ist schon lange nicht mehr.
Von guten Arbeitsbedingungen sind wir also meilenweit entfernt. Dabei ist die Kita doch eine wichtige Bildungseinrichtung die den Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen soll, aber unter den momentanen Rahmenbedingungen geht das nicht.
Heute ist der 1.Mai, Tag der Arbeit. Wenn nicht jetzt, wann dann! Wenn nicht hier, sag mir wo und wann! Wenn nicht wir wer sonst!
Also lasst uns aufstehen und dafür kämpfen damit die Arbeitsbedingungen wieder toll sind und wir morgens am Frühstückstisch mit einem Lächeln an die Kita denken.
Werde heute Mitglied, es kostet Dich das Ausfüllen des Online Antrags und 12€ im Jahr. Wir kämpfen auch für Dich!
Werde heute Mitglied!
Wir stehen für Veränderung!

Stellungnahme zur Betreuung geflüchteter Kinder aus der Ukraine

Als Verband Kitafachkräfte Baden-Württemberg beobachten wir mit Sorge die Entwicklungen in der Ukraine und möchten uns mit unserem Fachwissen und unserer Expertise in die Diskussion um die Unterbringung und Betreuung der geflüchteten Kinder im kitafähigen Alter einbringen. Wir haben gemeinsam mit unseren Mitgliedern folgende Anregungen und Forderungen verfasst:

  1. Alternativen außerhalb der Kitas müssen gesucht werden und sind vorerst zu bevorzugen. Beispielsweise können Spielgruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Stadtteiltreffs und Familienzentren von Sozialpädagogen, Traumapädagogen, Ehrenamtlichen begleitete Angebote ins Leben rufen. Dies sollte Informationsangebote vom Gesundheitsamt und Kinderärzten beinhalten.
  2. Ortsansässige Familien dürfen nicht benachteiligt werden, Kinder auf der Warteliste sind zu berücksichtigen. Vorläufig sollten für Kinder aus der Ukraine alternative Angebote geprüft und offeriert werden.
  3. Wenn aufgrund freier Plätze Aufnahmen in die Kitas erfolgen können, sollten die Kinder durch eine Integrationskraft (schnell und unbürokratisch genehmigt) begleitet werden. Aufgrund des erhöhten Betreuungsbedarfs durch Fluchterfahrungen und Fremdsprachigkeit muss ein Kind zwei Plätze belegen und somit doppelt gezählt werden.
  4. Zur bedarfsgerechten Betreuung braucht es Alltagsbegleiter/Integrationskräfte, Traumapädagogen (unkomplizierte Weiterbildung der Fachkräfte), Ergotherapeuten und zusätzliches, auf die Bedürfnisse der Kinder und Kita abgestimmtes Personal (z.B. ukrainisch sprechende Zusatzkräfte).
  5. Zur Kommunikation mit anderssprachigen Familien sind Dolmetscher oder hochwertige Übersetzungsapps sowie Kulturvermittler (z.B. Elternmentoren) notwendig.
  6. Sprachförderung muss bedarfsorientiert angeboten werden können. Hierfür müssen entsprechend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um schnell und unbürokratisch passgenaue Sprachfördermodelle zu initiieren.
  7. Den pädagogischen Fachkräften und Alltagsbegleitern muss zusätzliche Zeit zur Verfügung gestellt werden, um kollegiale Beratung, Austausch über Förderpläne und Supervisionen zu ermöglichen.
  8. Qualitätsstandards dürfen nicht gesenkt werden, die Rahmenbedingungen dürfen nicht flexibilisiert werden.

Durch den Krieg in der Ukraine gelangen zahlreiche flüchtende Menschen, insbesondere Frauen mit ihren Kindern, nach Deutschland. Die Situation stellt sich vor Ort sehr unterschiedlich dar. In einigen Kommunen werden einzelne Kinder bereits in Kindertageseinrichtungen aufgenommen, soweit Plätze vorhanden sind. Sofern ukrainische Kinder die Möglichkeit haben, eine Kita zu besuchen, muss dies unter Beachtung der Punkte 3. bis 8. geschehen.

Daneben bringen wir formale und inhaltliche Fragen zur Klärung ein: z.B. Unterstützung für sprachliche Verständigung und im Umgang mit traumatisierenden Erfahrungen; Schutzmaßnahmen mit Blick auf Corona und Impfangebote für den Masernschutz.

Aus unserer Sicht ist jedoch eine Aufnahme dieser Kinder in das Regelsystem der Kindertageseinrichtungen zum aktuellen Zeitpunkt aus unterschiedlichen Gründen problematisch. Vielerorts kann durch den Fachkräftemangel keine feste Bezugsperson angeboten werden, Gruppengrößen und das Betreuungsangebot müssen angepasst werden.   Neben der bereits bestehenden Überlastung der Kindertageseinrichtungen und der Trägerorganisationen gibt es große Herausforderungen im Blick auf die sprachlichen Hürden und aufgrund der Flucht- und Trennungserfahrungen. Kinder mit Fluchterfahrungen benötigen besondere Begleitung im Kita-Alltag, um den psychischen Belastungen, welche diese Kinder mit sich tragen, gerecht zu werden. Hier muss auf zusätzliches Personal gesetzt werden sowie auf pädagogische Fachkräfte, welche Zusatzqualifikationen wie z.B. als Traumapädagogen haben.

Wir stimmen dafür, zunächst Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für Modelle zu klären, die außerhalb von Kindertageseinrichtungen und den Vorgaben der Betriebserlaubnis liegen.

So ist an betreute Spielgruppen und Eltern-Kind-Gruppen – etwa in Räumen von Kirchengemeinden, Kommunen oder Kitas, deren Räume beispielsweise Nachmittags frei sind – gedacht, die auch durch ehrenamtliche oder projektbezogene Begleitung betreut werden könnten und die Situation des Ankommens erleichtern. Für uns ist es wichtig, zunächst den Familien bzw.  Müttern und Kindern gemeinsame Angebote zu bieten, die durch Sozialarbeiter, Psychologen, Kinderärzten, pädagogische Fachkräfte und Traumapädagogen begleitet werden. Es muss evaluiert werden, welcher Bedarf tatsächlich besteht. Nach einer Ankommenszeit kann entschieden werden, ob die Kinder in die Kitas sollen. Nach den traumatischen Fluchterfahrungen ist nicht immer eine Trennung gewünscht und sinnvoll. Die intensive Verbindung innerhalb der Familie darf nicht unterschätzt werden. Viele der Geflüchteten möchten nur vorübergehend in Deutschland bleiben. Da ist der Schritt, das Kind in einer Kita anzumelden ein zu endgültiger. Im Vergleich zu vielen Flüchtlingen beispielsweise aus Syrien, die für sich ein Leben in Deutschland als Zukunftsperspektive sehen, möchten die Menschen aus der Ukraine baldmöglichst in ihre Heimat zurückkehren.

Zusammengefasst halten wir es nicht für sinnführend, in die aktuell schon überfüllten und überlasteten Systeme traumatisierte Kinder zu bringen. Nahezu niemand spricht die Heimatsprache der Kinder und Familien und die Umgebung ist laut und unübersichtlich. Die unter 3. – 8. angeführten Rahmenbedingungen müssen bei allen Kindern und Familien mit Fluchterfahrung greifen. Das System Kita sollte erst dann ins Auge gefasst werden, wenn die oben genannten Forderungen erfüllt sind.

 

StellungnahmeUkraineKitakinder_VKFK-BW22

Wir im Radio (10.01.2022)

Am Montag, den 10.01.2022 startet nun endlich auch die Testpflicht für Kindergarten- und Krippenkinder in den Kitas in Baden-Württemberg. Schon lange haben wir uns für eine verpflichtende und durchführbare Teststrategie ausgesprochen.

Leider sind nicht alle unsere Empfehlungen umgesetzt worden, wir wünschen den Kollegen und Kolleginnen vor Ort in den Kitas eine gute Umsetzung und hoffen auf eine gute Kooperation mit den Eltern. Wir sind ein Team und miteinander gehen wir auch über diese Hürde.

Stellungnahme zur aktuellen Corona Lage (16.11.2021)

Sehr geehrte Damen und Herren, 

aktuell beobachten wir vom Verband Kita-Fachkräfte Baden-Württemberg eine besorgniserregende Entwicklung der aktuellen Corona Pandemielage.  

Aus der Praxis unserer Mitglieder wissen wir, dass in immer mehr Kitas positive Testergebnisse festgestellt werden, sowohl beim geimpften und ungeimpften Personal wie auch bei den Kindern. Die aktuelle Corona VO-Kita und die Quarantäneregelungen müssen unseres Erachtens nach dringend und sehr zeitnah der aktuellen Situation angepasst werden.  

Aus unserer Sicht benötigt es mindestens zweimal wöchentlich eine Testpflicht in allen Kitas. Hierbei müssen alle am Kita-Alltag beteiligten getestet werden, somit auch alle Kinder und geimpftes Personal. Ungeimpftes Personal muss weiterhin an jedem Präsenztag einen Selbsttest durchführen. Nur so sehen wir es als möglich an, Infektionen frühzeitig zu erkennen. Wir fordern zum Schutz aller Beteiligten eine vollumfassende Testpflicht. Aus unserer Sicht stellen die Absonderungs- und Quarantäne-Regelungen für Kitas keine Schutzmaßnahmen dar. In Kitas muss analog zu den Schulen bei einem positiven Fall mindestens fünf Tage in Folge verpflichtend getestet werden. Die aktuelle Regelung sieht bei positiven Fällen im Kita-Kontext eine einmalige Testung (welche teilweise in der Kita mit Schnelltests erfolgen kann) der Kinder und des Personals der betroffenen Gruppe vor. Ansonsten werden keine weiteren Maßnahmen getroffen. Dies Regelung sehen wir als unzureichend an, da wir auch aus der Praxis wissen, dass in der Regel nach einer positiven Testung viele weitere positive Testergebnisse folgen. Dies geschieht oft unbemerkt und über mehrere Tage hinweg, da viele Kinder keine bis wenige Symptome entwickeln. Aus organisatorischen Gründen muss nach dem Bekanntwerden eines positiven Falls mindestens ein Sonderschließtag zur Organisation der ersten Testung (PCR oder Antigen-Schnelltest) sowie der Reinigung der Räumlichkeiten und Spielsachen eingeräumt werden. Die Öffnungszeiten müssen zeitnah und unkompliziert bei personellen Ausfällen aufgrund aktueller Coronaerkrankungen angepasst werden können. 

Als Verband ist es uns ein Anliegen, dass in allen Kitas Bedingungen geschaffen werden, in denen die Gesundheit aller geschützt wird. Hierfür braucht es verlässliche Vorgaben. Es benötigt Mindeststandards, welche von den Trägern und Gesundheitsämtern vor Ort umgesetzt werden müssen. Anzudenken wäre auch, ein Stufensystem an Hand der Inzidenzwerte festzulegen, welches dann verbindlich die Quarantäne für Einzelpersonen und Gruppen regelt. Aus unserer Sicht stellt dies eine wichtige und verlässliche Säule der Rahmenbedingungen für eine zuverlässige und die Gesundheit schützende Betreuung dar. 

Wir wissen, dass die Familien auf offene Kitas angewiesen sind, aber wir sind uns auch unserer Verpflichtung des Gesundheitsschutzes aller bewusst! 

Mit freundlichen Grüßen

Anja Braekow

1. Vorsitzende

Stellungnahme zur aktuellen Corona Kita-VO (13.09.2021)

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 08.09.2021 erhielten alle Kitas in Baden-Württemberg von Kultusministerin Schopper einen Brief mit der Information über bevorstehende Änderungen der Corona VO-Kita ab 13.09.2021. Als Verband nehmen wir es positiv wahr, dass dieses Mal bereits fünf Tage vor Gültigkeit der VO über deren Änderung informiert wurde. Dennoch müssen wir anmerken, dass die meisten Kitas seit Mitte August keine Sommerferien mehr haben und der größte Teil der Kinder und Mitarbeiter seit Wochen unter unklaren Bedingungen anwesend ist. Erfreulich war, dass das von Seiten des Gesundheitsminister Lucha bestehende freiwillige Testangebot für die in der Einrichtung betreuten Kinder in den ersten zwei Wochen nach der jeweiligen Schließzeit beibehalten wurde. Aus der Praxis wissen, wir, dass dieses Angebot vielerorts nicht genutzt wurde bzw. für die Einrichtungen nicht zur Verfügung stand. Die Erfahrung der gesamten Pandemiezeit zeigt uns, dass Empfehlungen und freiwillige Angebote selten umgesetzt werden. Es benötigt in allen Bereichen der Kita-Organisation Mindeststandards und klaren Regelungen zur Umsetzung der aktuellen CoronaVO-Kita.

Wir vom Verband Kita-Fachkräfte Baden-Württemberg sind der Meinung, dass es allen Beteiligten an Verlässlichkeit und Weitblick fehlt. Dies hören wir von unseren Mitgliedern immer wieder. Wir fordern eine Strategie, die für alle Beteiligten praktikabel und valide ist.

Für folgende Bereiche sehen wir akuten Handlungsbedarf:

  • Testpflicht an Kitas für alle Anwesenden
  • Finanzierungsmodalitäten für Schutzmaßnahmen
  • Quarantäneregelungen, die einheitlich gehandhabt werden
  • Benennung der Zuständigkeiten (Ministerien etc.)

Seit dem 13.09. gilt an Kitas eine tägliche Testpflicht für ungeimpftes Personal das mit Kindern arbeitet. Eine Testpflicht für Kinder ist in dem Schreiben vom 08.09.2021 sowie in der heute, 13.09.21, erschienenen Änderung der Corona-VO Kita nicht eindeutig herauszulesen, sondern besteht nur bei einem Coronafall in der jeweiligen Kindergruppe.

Hier ist unser klarer Appell, dass wir mit Zutrauen und Vertrauen an und in die Kinder vieles bewegen können und eine Testpflicht für Kita-Kinder umsetzbar ist (vgl.  “Stellungnahme zur Teststrategie” vom 05. April 2021). Wir sind der Auffassung, dass es den Kindern durchaus zuzutrauen ist, regelmäßig Coronatests durchzuführen. Mit beispielweise den Lolli-Pooltestungen haben viele Kitas gute Erfahrungen gemacht; ebenso wie mit der Testung durch die Eltern zuhause. Seit Frühjahr 2021 ist bekannt, dass Kinder eine Rolle im Infektionsgeschehen spielen und oftmals als “stille Überträger” fungieren. Klar ist: Kita-Kinder halten keinen Abstand, können keinen Mund- und Nasenschutz tragen und Hygieneregeln nicht vollständig einhalten. Kleine Kinder spielen zusammen und wechseln die Spielpartner*innen häufig. Der Kontakt zu den pädagogischen Fachkräften geschieht ohne Abstand und vielerorts aus pädagogisch und entwicklungspsychologischen Gründen ohne Mundschutz seitens des Personals. Unter diesen Aspekten ist es aus unserer Sicht notwendig, eine verbindliche Teststrategie für Kitakinder zu erarbeiten, welche mindestens zehn Wochen umzusetzen ist um anschließend entsprechend evaluiert werden zu können.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die pädagogischen Fachkräfte bei ihrer Arbeit vergleichbar wenig Schutzmaßnahmen umsetzen können und müssen.  In manchen Einrichtungen finden seit Wochen keine verpflichtenden Testungen des Personals mehr statt. Seit dem 13.09.21 gilt, dass ungeimpftes Personal täglich getestet werden muss. Leider wurden zur praktischen Umsetzung keinerlei Angaben gemacht. In unseren Augen schließt der Gesundheitsschutz alle Beteiligten, das heißt: Personals, Kinder und Familien sowie weitere anwesende Personen ein.  Es ist eine Teststrategie zu erarbeiten, welche den gesamten genannten Personenkreis umschließt und auch praktikabel umsetzbar ist. Dies beinhaltet auch die Vorgehensweise bei weiteren pädagogischen Tätigkeiten wie bspw. Elterngespräche und Co.

Es ist uns ein Anliegen, dass die Finanzierung einer Teststrategie sichergestellt wird. Hierzu benötigt es Finanzierungsmodalitäten welche durch das Land erfolgen sowie Mindeststandards für welche die Kosten übernommen werden. Der Gesundheitsschutz der Kinder, Familien und pädagogischen Fachkräfte darf nicht vom Wohlwollen und finanziellen Mitteln einer Kommune abhängig sein. Ebenso muss es eine Finanzierungsoffensive für Luftfilteranlagen und CO2-Ampeln geben, welche für die Kommunen attraktiv ist und somit in allen Kitas umgesetzt wird. Die Umsetzung der geförderten Maßnahmen muss überprüft werden.

Sehr unübersichtlich und nahezu undurchschaubar gestaltet sich die aktuell erschienene Regelung im Positivfall. Zum einen greift diese aktuell nur im Falle eines positiven Coronatests bei einem Kind und nicht beim Personal, zum anderen ist im Vergleich zur Schule (tägliche Testung aller über eine Woche hinweg) lediglich eine einmalige, zeitnahe

Testung der Kindergruppe vorgesehen. In der Praxis zeigte sich immer wieder, dass die Quarantäneregelung eine Einzelfallentscheidung des Gesundheitsamtes vor Ort war.          

Wie sich dies mit der neuen Quarantäneregelung für Kitas verhalten wird, gerade unter dem Aspekt der unklaren Regelung, bleibt abzuwarten.

Uns erschließt sich nicht, weshalb Kita-Kinder anders infektiös sein sollten als beispielsweise Grundschulkinder und weshalb es keine Einheitliche Regelung für den gesamten Bildungsbereich gibt. Diese wäre dringend erforderlich um dem Pandemiegeschehen auch im Bildungsbereich gerecht zu werden.

In der Kita-Praxis erleben unsere Mitglieder und wir regelmäßig, dass Zuständigkeiten nicht klar definiert sind. Weder gibt es ein gesamtzuständiges Ministerium noch eine Kita-Corona-Task Force welche auch die praktischen Belange miteinbezieht noch gibt es klare Zuständigkeiten. Die Verlagerung und das Zuschieben von Verantwortlichkeiten auf jeglicher politischen Ebene stellen häufig ein Problem dar. Ohne klar definiertes zuständiges Ministerium, Ansprechpartner und Verantwortliche auf jeglicher Ebene von Bund, Land, Kommune und Träger entsteht ein Gefühl des allein gelassen seins auf Seite des pädagogischen Personals. In diesem Wirrwarr spiegelt sich aus unserer Sicht aber auch der Wert der Bildungsarbeit und der Kinder wider – wir sehen es als politische Aufgabe diesen ins Positive zu verändern – eben auch oder gerade durch die Übernahme von Verantwortung.

Wir erwarten von den Verantwortlichen eine einheitliche, praxisnahe Regelung für die oben genannten Themenfelder. Als Verband Kita-Fachkräfte Baden-Württemberg wissen wir um die aktuellen Herausforderungen unserer Arbeit und stellen unsere Praxiserfahrung für die weitere Planung zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Braekow

1. Vorsitzende

Anhang: Fragen aus der Praxis

Zum jetzigen Zeitpunkt (13.09.2021) sind für uns aus der Kita-Praxis in Baden-Württemberg folgenden Punkte auf politischer Ebene zu klären:

-> Was gilt im Hinblick auf Personal, welches nicht geimpft ist? Wer beaufsichtigt das Personal beim Test? Wie verhält es sich mit der Arbeitszeit da es für die Arbeit notwendig ist? Wer beaufsichtigt die Kinder während ein*e Kolleg*in abgestellt ist um das ungeimpfte Personal bei der Testung zu überwachen? Wer trägt wie lange die Kosten dieser Testungen?

  • Testungen des ungeimpften Personals in Teststellen sind oftmals wegen der nicht zu vereinbarenden Öffnungszeiten möglich. Welche Regelungen sind hierfür vorgesehen? Denn wenn in einer Kita niemand geimpft ist, dann darf aktuell auch niemand die Testung überwachen. Wie wird in solchen Fällen verfahren?
  • Weshalb soll eine Berufsgruppe, die seit Beginn der Pandemie mit am wenigsten geschützt wurde und deren aktuelle Impfquote über der des Bundesdurchschnitts liegt, nun über eine nicht durchführbare Teststrategie indirekt zu eine höheren Impfquote gezwungen werden?
  • Was geschieht mit Mitarbeiter*innen, welche nicht geimpft werden wollen oder können? Müssen diese, in Zeiten des sowieso bereits herrschenden Personalmangels, mit einer Kündigung rechnen? Soll nun nach der Masern-Impfpflicht für pädagogisches Personal noch die Corona-Impfpflicht kommen?
  • Wie sind die Absonderungsregelungen umzusetzen? Sind zu viele Fachkräfte desselben Teams nicht geimpft, wird dann die Kita bzw. die betroffene Gruppe bei einem positiven Coronafall geschlossen? Was geschieht überhaupt bei einem positiven Coronafall im Personalkreis? Und wie verhält es sich mit der Arbeit in Kohorten (Gruppenübergreifend), welche zwingend notwendig ist, aber somit den zu testenden Personenkreis erheblich erweitert? Häufig ist ein gruppenübergreifender Personaleinsatz nötig, teilweise auch außerhalb der Kohorte oder einrichtungsübergreifend. Wie sind in diesem Fall die Anordnungen bezüglich Teststrategie und Quarantäne?
  • Durch wen und wie wird eine Testung von zusätzlich pädagogisch tätigen Personen finanziert, gewährleistet und überprüft (bspw. Sprachförderkräfte und Heilpädagogen)?

-> Im Hinblick auf Elternarbeit stellt sich die Frage, wie es sich mit Elterngesprächen, Eingewöhnungen etc. gestaltet? Gilt hier die 3G-Regelung? Durch wen und wie muss die Einhaltung dokumentiert werden? Dürfen Elterngespräche stattfinden und wenn ja, mit welchen Vorgaben?

  • Ist es vorgesehen, die Kita Quarantäne-Regelung an die der Schule anzupassen? Worin begründen sich die aktuellen Unterschiede? Weshalb ist im Falle eines positiven Coronatests keine PCR-Lollipooltestung des betreffenden Personenkreises vorgesehen? Hängt dies mit der Lohnfortzahlung der mit in Quarantäne verwiesenen Eltern zusammen?
  • Wann wird endlich erkannt, dass die Mitarbeiter*innen und Kinder in den Kitas einer größeren Ansteckungsgefahr ausgeliefert sind als an den Schulen? Und was wird zu ihrem Gesundheitsschutz unternommen?

-> Die Kitas werden, im Gegensatz zu vielen der Schulen, in der Regel nicht mit CO2-Filtern und –ampeln ausgestattet. Warum wird auch hier ein Unterschied zwischen Schulen und Kitas gemacht?

-> Weiterhin besagt der KVJS klar, dass der Mindestpersonalschlüssel um 20% unterschritten werden darf. Dies kann und darf nicht sein, besonders im Bezug darauf, dass wir mit Mehrarbeit und vielen zusätzlichen Aufgaben durch die Pandemie gehen. Wann können wir endlich damit rechnen, dass von dieser Regelung abgerückt wird?