Pressemitteilung zum Schreiben vom KVJS (23.06.2021)

Heute bekamen die Kitas in BW Post vom KVJS. Es ging um die Herabsetzung des Personalschlüssel und es wurden unsere Befürchtungen bestätigt.

Der aktuelle Stellenschlüssel (bis zu 20% unter dem bislang gültigen) kann weiterhin angewendet werden. Wir sehen das sehr kritisch und haben uns mit einer Pressemitteilung an die Vertreter der Medien gewandt.

Dieses Schreiben haben wir hier angehängt.

Befürchtungen des Verbands Kita-Fachkräfte sind eingetroffen
Baden-Württemberg:
Nach über einem Jahr der Coronapandemie, während der gerade auch im Kita-Bereich viele qualitative und quantitative Einbußen geschehen sind, wurde nun über den KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg) bekannt gegeben, dass die coronabedingte Unterschreitung des Mindestpersonalschlüssels, die vergrößerte Gruppenstärke und die Nutzung anderer Räumlichkeiten auch nach der eigentlich angedachten Dauer (31.08.2021) nun voraussichtlich weiterhin bestehen bleibt, solange die Corona VO-Kita in Kraft ist.
Während der ganzen Pandemie sind insbesondere die Kinder die Leidtragenden. Sei es durch Kitaschließungen oder extreme Einschränkungen der Freizeitangebote. Hierdurch sind teilweise extreme Entwicklungsdefizite entstanden, welche die Kinder nun nachholen sollten. Um die Kinder und Familien bestmöglich zu unterstützen, braucht es pädagogisch ausgebildetes Fachpersonal, welches bereits seit einigen Jahren fehlt. Die große Aufgabe der Fachkräfteoffensive wurde und wird seit Jahren politisch versäumt. Durch die weiterhin mögliche Unterschreitung des Mindestpersonalschlüssels ist aber noch weniger Qualität in Sicht als bisher. Die eh schon überlasteten und wenigen pädagogischen Fachkräfte, die diesen Beruf ausüben, müssen diesen Mangel auffangen und hierbei höchste Qualität und Bildungsangebote bieten.
Für uns vom Kita-Fachkräfteverband Baden-Württemberg steht fest, dass wir sofort unseren bisherigen Mindestpersonalschlüssel sowie die Höchstgruppengröße, also die Fachkraft-Kind- Relation, wieder zurück brauchen, um qualitativ gut arbeiten zu können. Diese Rahmenbedingungen sind weder entwicklungs- und bildungsfördernd bei den Kindern noch bieten sie attraktive Arbeitsbedingungen für Fachkräfte, welche dringend gewonnen werden sollten. Es müssen schnellstmöglich hochqualifizierte Fachkräfte ausgebildet und der Beruf attraktiver gemacht werden. Das Herabsetzen des Mindestpersonalschlüssels ist hierbei unseres Erachtens nach kein angebrachten Mittel um dem Missstand entgegenzuwirken.
Aus Sicht des Fachkräfte-Verbands war es als erster Schritt und Reaktion auf die neuartige Coronapandemie im März 2020 ein wichtiger und richtiger Schritt, den Personalschlüssel anzupassen. Zu diesem Zeitpunkt waren weder die Infektionswege noch die Risikogruppenangehörigen bekannt und in allen Bereichen wurde Vorsicht walten gelassen. Mittlerweile ist der Wissenstand ein anderer. Viele pädagogische Fachkräfte sind bereits vollständig geimpft, Infektionswege und Schutzvorkehrungen sind bekannt und es gibt die freiwillige Möglichkeit von regelmäßigen Testungen für Personal und Kinder. Somit stellt sich die Frage, weshalb die Unterschreitung des Mindestpersonalschlüssels weiterhin notwendig ist. Scheinbar dient die Pandemie hier als Deckmantel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Qualität in den Kitas zu senken. Die kontinuierliche Herabsetzung der Qualität wird sich bei den Kindern, Familien und Fachkräften bemerkbar machen und die Fachkräfteoffensive erschweren.
Pressemitteilung des Verband Kitafachkräfte Baden-Württemberg zum Schreiben des KVJS vom 22.06.2021

2 Gedanken zu „Pressemitteilung zum Schreiben vom KVJS (23.06.2021)

  • Juli 10, 2021 um 5:25 pm
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    Ein höherer Personalschlüssel muß gewährleistet werden und die Räumlichkeiten voll ausgenutzt werden.
    Mittlerweile sind viele geimpft und den Kindern sollte der Weg zur Normalität ermöglicht werden.
    Um eine Flucht aus dem Beruf zu vermeiden, ist dringend handlungsbedarf. Der Fachkräftemangel resultiert aus der unattraktiven, langen Ausbildung. Hier sollten Wege gefunden werden um eine hirachische Staffelung zu ermöglichen. Auch Basiskursen für Quereinsteiger als Hilfspersonal würde die Situationen verbessern, da auf mehrere Schultern die Arbeiten verteilt/ diligiert werden können ohne qualitativ einen Nachteil für Kinder zu ziehen. In der Pflege funktioniert das Model. Da wir u.a. an der Schweizer Grenze sind, werden immernoch viele Fachkräfte zu besseren Bedingungen den Weg in die Schweiz suchen.
    Also müssen die Bedingungen verändert werden, z.b. wie beschrieben

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  • Juli 25, 2021 um 2:33 pm
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    Ich finde es sehr bedenklich, dass der Mindestpersonalschlüssel weiterhin nicht eingehalten werden muss. Ich habe den Eindruck, dass seit Beginn der Corona-Pandemie die bloße Betreuung von Kindern mehr Gewichtung zugesprochen wird. Andere Aspekte treten mehr und mehr in den Hintergrund. Solche Maßnahmen wären für mich ein Grund, bei einer Bewerbung genau zu hinterfragen, wie die Aktuelle Personalsituation in der jeweiligen Einrichtung gerade ist. Und im Zweifel würde ich in einer Einrichtung anfangen wollen, in der noch weitere Stellen offen sind. Dies lässt auf entsprechende Arbeitsbedingungen rückschließen.

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